Auktion: 12 Tage
Stand 11.06.2026
Zwischen Acrylglas gerahmt.
Beigegeben eine Expertise von Prof. Ugo Ruggeri, Venedig, mit Verweisen auf weitere Werke Bisons, in Kopie.
Im Gegensatz zu Bisons in Öl geschaffenen Veduten zeigen sich seine Werke auf Papier in einer weicheren, pastelligen Farbigkeit. Hier liegt der gesamte Platz in bläulich-hellem Licht. Das Weiß der Wolken korrespondiert mit dem weiträumig vorgeführten Paviment, hier aus der Kavaliersperspektive erfasst. Das strahlende Hell der Fläche wird durch die bräunlichen, rechts verschatteten Fassaden mit ihren Arkadenbögen abgegrenzt. Gebieterisch überragt der Campanile das Architekturensemble, seine Strenge steht im Gegensatz zur feingliedrigen Domfassade. Erstaunliche naturalistische Detailgenauigkeit lässt sowohl die architektonischen Einzelheiten, als auch die Kostüme der reichen Figurenstaffage zur Wirkung kommen. Hier findet der Betrachter eine lebendige Vielfalt an Vertretern der unterschiedlichsten Schichten. Meist in Gruppen stehen Familien, Mädchen beim Tanz, Figuren der Commedia del arte sowie Kinder und Hündchen.
Der Künstler war ein italienischer Maler des Klassizismus. Er studierte in Brescia und befasste sich mit dem Werk von Girolamo Romanino (1484/87–1562). Später zog er nach Venedig und setzte sein Kunststudium unter Giovanni Antonio Canal (1697–1768) fort. Von 1834 bis 1838 unternahm er eine Reihe von Reisen, die ihn u. a. nach Florenz, Rom, Neapel und Paestum führten. Neben zahlreichen Venedigansichten schuf er auch idyllische Fantasielandschaften. Dabei ist die Vielfalt seiner Themen, sowie die hohe Qualität seiner Bildproduktion hervorzuheben. Im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts arbeitete er mit dem Architekten Gian Antonio Selva (1751–1819) zusammen, so etwa für die Dekorationen des inzwischen nicht mehr existierenden Palazzo Bottoni di Ferrara und dem Casino Soderini in Treviso. Er studierte Werke von Francesco Guardi (1712–1793) und Gian Domenico Tiepolo (1727–1804), wirkte auch als Freskant in Venedig, begab sich nach Treviso, Padua und Triest, 1833 schließlich nach Mailand, wo er bis zu seinem Lebensende blieb.
Literatur:
Pietro Zampetti (Hrsg.), I vedutisti Veneziani del Settecento, Ausstellungskatalog (Palazzo Ducale, Venedig, 10. Juni – 15. Oktober 1967), Venedig 1967 (dort mit korrekter Zuweisung).
A.R. (1481472) (11)