Auktion: 5 Tage
Stand 10.09.2026
Zwischen majestätischer Würde und Leichtigkeit blickt uns diese hochrangige Dame mit einer gewissen Schüchternheit an, während sie behutsam einen Blumenstrauß auf einem mit ihren zarten Händen gehaltenem, rötlichem Tuch präsentiert. Die Dame, im Halbportrait wiedergegeben, ist Teil der pyramidenförmigen Komposition ihrer weiten Gewänder, die ihr Haltung und Präsenz verleihen. Diese subtile Konstruktion, die den Blick auf ihr zartes Gesicht lenkt, beruht jedoch auf Rhythmen und Kontrasten. So vermitteln die wehenden Falten ihrer Kleidung den Eindruck von Leichtigkeit und Bewegung und versetzen die Figur in eine Art Schwebezustand. Der Himmel, vor dem sie sich abhebt, verstärkt dieses Gefühl des Schwebens, das durch die ätherische Farbpalette – das Ceruleanblau des Kleides und das Aurorarosa des Mantels – noch verstärkt wird. Doch Ordnung und Symmetrie bestimmen diskret die Komposition, in der der Arm, der aus dem Ärmel herausragt, auf die Diagonale der Drapierung reagiert, um einen Kelch zu bilden, aus dem der nackte Oberkörper herausragt. Bei genauerem Hinsehen wirkt jede Stoffschicht wie ein zartes Blütenblatt einer Blumenkrone, die das Modell umschließt. Die Frau scheint selbst zu blühen, von ihrer Frisur über ihre Kehle bis hin zu diesem Wasserfall aus Blumen, den sie mehr ausgießt als zurückhält. Dieses Portrait als Flora oder Allegorie des Frühlings, das Mitte des 18. Jahrhunderts in Mode war, offenbart das ganze Talent Nattiers, der es besser als seine Kollegen verstand, die Schönheit der Frau mit der Schönheit der Natur in einer delikaten Metapher der Blüte zu vereinen.
Ein bedeutender französischer Portraitmaler der Aufklärung. Als Sohn einer Miniaturmalerin und eines Portraitmalers gewann er mit nur 15 Jahren den ersten Preis für Zeichnen der Akademie, deren anerkanntes Mitglied er 1713 wurde. Nach einem Aufenthalt in Russland, wo er die Zarin Katharina II portraitierte, kehrte er nach Paris zurück, wo er sich einer Karriere als berühmter Portraitmaler widmete. Dies galt insbesondere für die Wiedergabe der Qualität von Stoffen, in der er ein Meister war, dass er zum offiziellen Hofmaler wurde. So wurde er 1748 zum offiziellen Portraitisten der Famille d‘Orléans und später der königlichen Familie. Von Ludwig XV malte er die Kinder und die Ehefrau, die Königin Marie Leszczynska, aber auch die Geliebte, die Marquise de Pompadour. Schließlich war es der gesamte Hof von Versailles, der sich in historisierenden Portraits als Gottheiten oder mythologische Helden malen lassen wollte.
Provenienz:
Sammlung James Stillman.
Durch Erbschaft an seinen Sohn Charles Chauncey Stillman (1877–1926).
Durch Erbschaft an seinen Bruder Ernest G. Stillman.
Von dort verkauft in New York, American Art Association, 3. Februar 1927, Lot 21 (als Nattier).
Sammlung Clara Jay Williams Keech.
Im Erbgang an ihren Sohn George Gilbert Williams Keech.
Von dort verkauft in New York, 26.–27. April 1938, Lot 551 (als Jean-Marc Nattier). (14918311) (13)
Jean-Marc Nattier,
1685 Paris – 1766 ibid., attributed
PORTRAIT OF A LADY WITH FLOWERS
Oil on canvas. Relined.
92.1 x 73.3 cm.
Old label inscribed “Nattier” on the reverse and bearing the name of perhaps its former owner.
Ca. 1750.
Provenance:
James Stillman Collection.
Thence by descent to his son Charles Chauncey Stillman (1877 – 1926).
Thence by inheritance to his brother, Ernest G. Stillman.
By whom sold, New York, American Art Association, 3 February 1927, lot 21 (as Nattier).
Clara Jay Williams Keech Collection.
Thence by descent to her son George Gilbert Williams Keech.
By whose estate sold, New York, 26 – 27 April 1938, lot 551 (as Jean-Marc Nattier).