Auktion: 17 Tage
Stand 02.11.2026
ZÜND, ROBERT
1827 Luzern–1909 Luzern
Titel: Uferlandschaft am Vierwaldstättersee bei Meggen.
Datierung: 1859.
Technik: Öl auf Leinwand.
Maße: 36 x 51cm.
Bezeichnung: Signiert und datiert unten links: Robert Zünd 1859.
Rückseite: Auf dem Keilrahmen altes Nummernetikett.
Rahmen: Rahmen.
Das vorliegende Gemälde ist in dem Archiv des Schweizerischen Instituts für Kunstwissenschaften, Zürich, unter Nr. 82835 verzeichnet.
Als „ideale Reallandschaft oder reale Ideallandschaft“ beschrieb der schweizerische Schriftsteller Gottfried Keller 1882 ein Werk seines Landsmanns Robert Zünd. Diese Einschätzung trifft auch auf das hier vorliegende, stimmungsvolle Landschaftsgemälde zu, das eine Uferpartie des Vierwaldstättersees im Sommer zeigt.
Über ein karges, grasbewachsenes Ufer mit einem Felsen auf Höhe des Betrachterstandortes wird der Blick entlang des Ufersaumes in die Tiefe geführt. Rechts die ruhige Wasserfläche, links das Land mit einer hohen Baumgruppe im Mittelgrund. Diese bildet den Anfang der Bewaldung des Ufers, die sich bis in die Bildtiefe zieht. Die friedliche Szene wird belebt durch eine Kuh- und Ziegenherde mit einer Hirtin auf dem Uferweg. Keck hat eine weiße Jungziege die Vorderbeine auf einen niedrigen Zaun gestützt und schaut auf den See hinaus. Dort erblickt sie, mehr im Vordergrund, am rechten Bildrand einen Freizeitangler, der, das rechte Bein lässig über der Bootswand hängend, seine Angelrute hält. Dieses signierte und 1859 datierte Gemälde ist absolut charakteristisch für das Werk Robert Zünds, der in der Schweiz bis heute einer der beliebtesten Maler des 19. Jahrhunderts ist.
Aufgewachsen in einer gutbürgerlichen Familie in Luzern, konnte Robert Zünd sein künstlerisches Talent zunächst bei regionalen Lehrern entwickeln. Mit 21 Jahren ging der junge Maler nach Genf, wo er zunächst bei François Diday lernen konnte, später dann bei dessen Schüler Alexandre Calame, der damals bereits zu den führenden europäischen Landschaftsmalern der Spätromantik zählte. Auf Reisen nach Paris, München und Dresden studierte und kopierte Robert Zünd in den dortigen Museen Altmeister und bildete sich so autodidaktisch fort. In dieser Zeit lernte er seinen gleichaltrigen Landsmann Rudolf Koller kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft und ein künstlerischer Austausch verband. Anders als seinen Lehrer Calame interessierte Robert Zünd nicht die heroisch überhöhte alpine Hochgebirgslandschaft; seine vom Sonnenlicht durchfluteten, idyllischen Motive fand er im Umland seiner Heimatstadt Luzern. Zeichnungen und Ölstudien, die er in der Natur fertigte, komponierte der Künstler im Atelier zu seinen Ideallandschaften, die bei einer schweizerischen, bürgerlichen Käuferschicht auf große Nachfrage stießen. Robert Zünd war als Mensch wie auch als Künstler ein Einzelgänger, der sich, außerhalb der Strömungen der Kunst seiner Zeit eine Sonderstellung in der schweizerischen Landschaftsmalerei erarbeitete. Im hohen Alter erhielt Robert Zünd, der nie Teil des akademischen Betriebes war, die Ehrendoktorwürde der Universität Zürich. Seine Werke finden sich heute in bedeutenden öffentlichen und privaten Kunstsammlungen.
Provenienz:
Privatbesitz, Deutschland.
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