Auktion: 4 Tage
Stand 17.03.2026
Gemäldepaar
MUSIZIEREN IN DER TAVERNE
sowie
WAHRSAGERIN MIT SOLDATEN (ZUG.)
Öl auf Leinwand. Doubliert.
128 x 181 cm.
In breitem, vegetabil beschnitztem und vergoldetem Rahmen.
Beigegeben eine handschriftliche Expertenmeinung von Denis Mahon zur Authentiziät der Werke.
Valentin de Boulogne kam um 1617 nach Rom, wo er den Großteil seines Lebens verbrachte. Sein Werk ist geprägt vom Einfluss Michelangelo Merisi da Caravaggios, dessen naturalistischer Stil und die Betonung des Alltäglichen auch in religiösen Kontexten ihn faszinierten. Wie Caravaggio malte er oft Szenen aus dem Leben gewöhnlicher Menschen: Trinker, Musiker, Soldaten und Wahrsagerinnen, die sich um einen Tisch gruppieren. Diese Kompositionen, in denen das Spiel von Licht und Schatten (Chiaroscuro) eine zentrale Rolle spielt, schaffen eine unmittelbare Nähe zum Betrachter und ziehen ihn in die Handlung hinein. Valentin gelang es, die psychologische Spannung und die subtilen Interaktionen zwischen seinen Figuren meisterhaft einzufangen – etwa in Werken wie „Wahrsagerin mit Soldaten“, wo eine Gruppe junger Männer von einer Wahrsagerin in ihren Bann gezogen wird. Die Szene ist nicht nur eine genrehafte Darstellung, sondern auch eine Studie über Täuschung, Neugier und menschliche Schwäche, Themen, die im Barock besonders beliebt waren. Die Darstellung von Wahrsagerinnen war ein beliebtes Sujet unter den Caravaggisten. Valentin griff es auf und verfeinerte es durch seine Fähigkeit, die psychologische Dynamik zwischen den Figuren darzustellen. In seinen Wirtshausszenen zeigt Valentin oft Soldaten in Momenten der Entspannung oder des Leichtsinns. Diese Figuren sind nicht idealisiert, sondern mit allen ihren Fehlern und Lastern dargestellt – ein Bruch mit den klassischen Idealen der Renaissance. Die Soldaten wirken lebensecht, ihre Gesichter und Gesten verraten Müdigkeit, Gier oder Faszination, etwa wenn eine Wahrsagerin einem von ihnen die Hand liest. Solche Szenen spiegeln die gesellschaftliche Realität des frühen 17. Jahrhunderts wieder: Soldaten waren allgegenwärtig, und das Leben in den Tavernen bot Stoff für Geschichten über Betrug, Glücksspiel und Schicksal.
Valentin de Boulogne gilt als einer der wichtigsten französischen Caravaggisten. Seine Werke verbinden den italienischen Tenebrismus mit einer eigenen subtilen Erzählweise. Besonders bekannt wurde er für seine Wirtshausszenen, Soldatenportraits und Darstellungen von Wahrsagerinnen – Motive, die er von Caravaggio (1570/71-1610) übernahm und weiterentwickelte.
Provenienz:
Sammlung Alex Wengraf, London, 1989.
Literatur:
Das Gemälde „Musizieren in der Taverne“ abgebildet in Benedict Nicolson, Caravaggism in Europe, 2. Aufl., Turin 1990, S. 204, Tafel 693. (1471856) (13)
Valentin de Boulogne,
1594 Coulommiers – 1632 Rome, one attributed
A pair of paintings
PLAYING MUSIC IN THE TAVERN
and
FORTUNETELLER WITH SOLDIERS (ATTRIBUTED)
Oil on canvas. Relined.
128 x 181 cm.
Accompanied by a handwritten expert opinion by Denis Mahon on the authenticity of the works.
Provenance:
Alex Wengraf collection, London, 1989.
Literature:
The painting “Playing Music in the Tavern” featured in Benedict Nicolson, Caravaggism in Europe, 2nd Edition, Turin 1990, p. 205, plate 693.