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Lot 205

VENEZIANISCHE KÜSTE MIT FISCHERZELT

  • 48,5 x59,5cm
Schätzpreis:

€ 30.000 - 50.000

Auktion: 5 Tage

Stand 17.03.2026



Beigegeben ein ausführliches Gutachten von Dr. phil. Hildegard Utz, Stuttgart, 15. Januar 1981, in Kopie. In ihrem zwölfseitigen Gutachten legt Dr. Utz ausführlich dar, in welcher Reihenfolge die bekannten Versionen der Komposition einzuordnen sind und wie sich der Orientalismus der Zeit auf Guardis Werk auswirkte. In ihrem Fazit schreibt sie: „Mit dem hiesigen Phantasiestück der erörterten Themengruppe des Malers Francesco Guardi ist eine eigenhändige Variante von besonderem Reiz wiedergefunden. Sie bildet durch die orientalische Szene im Vordergrund innerhalb der Reihe die reinste Ausformung eines Traumstücks, das im Bilde Gestalt gewonnen hat.“

Ruhiges, im Licht des leicht bewölkten Himmels changierendes Küstengewässer mit einer Insel, deren sakrale Architektur durch eine hohe Kuppel gekennzeichnet ist, flankiert von vorgelagerten Türmen und profaner Randbebauung. Der von links beleuchtete, für Guardi typische, szenische Aufbau erinnert an seine Herkunft als Theatermaler. Im Vordergrund am Ufer ein Fischerzelt mit Figuren, deren mit breitem Pinselduktus wiedergegebenes Habit den internationalen Handelscharakter Venedigs unterstreicht.

In ihrem Gutachten betont Utz die Gemeinsamkeit der Werkgruppe innerhalb des Oeuvres des Francesco Guardi: Alle bekannten Versionen zeigen eine befestigte Stadt auf einer Insel mit Stadtmauer, Türmen und einer Kuppel im Innern, einer hohen gesockelten Amphore sowie ein Fischerzelt an dem betrachternahen Ufer. Als früheste Version gilt das Gemälde aus der Sammlung des Herzogs von Montellano in Madrid (Morassi I, S. 479, Kat.Nr. 917; 92 x 135 cm). Es folgt die Version aus der Sammlung A. Scotti-Casanova in Mailand (Morassi I, S. 480, Kat.Nr. 919; 99 x 116 cm). Als drittes entstand laut Utz die hier angebotene, bislang nicht publizierte Version (48,5 x 59,5 cm), deren Entstehung um 1770 anzusetzen ist. Utz nennt noch zwei spätere Versionen, die nach 1780 entstanden sein müssen, da sie insgesamt lockerer und luftiger ausgeführt sind: ein Gemälde aus der Sammlung E. Speelman in London (Morassi I, S. 479, Kat. Nr. 918; 51 x 62 cm) sowie die jüngste Version aus dem Museo Cagnola in Gazzada/ Varese (Morassi I, S. 480, Kat. Nr. 920; 49 x 77 cm). Guardi war vertraut mit orientalischen Kaufleuten und dem Orientalismus seiner Zeit. Bereits1742/43 erhielt seine Werkstatt vom Marschall der Republik Venedig (Schulenburg) den Auftrag für mehreren „Quadri Turchi“, wobei Guardi in diesen Jahren insgesamt 43 „Scene Turchi“ gemalt haben soll. Schon 1755 – 60 schuf Francsco Guardi Veduten der Insel San Giorgio Maggiore, vom Bacionol di San Marco aus gesehen, sodass hier eine fantasievolle orientalisierende Mischung vorzuliegen scheint, in der auch venezianische Versatzstücke wie die Fischer mit ihren Zelten eine Rolle spielen.

Francesco Guardi war der jüngere Sohn des aus dem Trentino stammenden Domenico Guardi (1678 – 1716) und der Maria Claudia Pichler aus Neumarkt. Er war Bruder des älteren Giovanni Antonio Guardi (1698/99 – 1760). Nach seiner Geburt zog die Familie nach Venedig, wo auch seine Brüder wirkten. Bis 1760, dem Todesjahr seines Bruders Antonio, wirkte er in der Familienwerkstatt. Zunächst schuf er Altarbilder, verlegte sich jedoch als Schüler von Canaletto (1697 – 1768) auf die Vedutenmalerei. Mäzene, darunter insbesondere der Doge Alvise IV Mocenigo, förderten ihn durch zahlreiche Aufträge, vor allem für Ereignisbilder anlässlich des Besuchs von Papst Pius VI in der Stadt, aber auch des russischen Großfürstenpaares. Werke seiner Hand befinden sich heute in zahlreichen internationalen privaten und öffentlichen Sammlungen.

Literatur:
Vgl. Dario Succi, Guardi. Itinerario artistico. Catalogo dei dipinti e disegni inediti, Mailand 2021, Bd. I, S. 288, Abb. 22, hier die späte Version aus dem Museo Cagnola.
Vgl. Alberto Craieich und Filippo Pedrocco (Hrsg.), Francesco Guardi 1712 – 1793, Ausstellungskatalog (Museo Correr, Venedig, 29. September 2012 – 06. Januar 2013), Mailand 2012.
Vgl. Cornelia Friedrichs, Francesco Guardi. Venezianische Feste und Zeremonien, München 2006.
Vgl. Luigina Rossi Bortolatto, L‘opera completa di Francesco Guardi, Mailand 1974.
Vgl. Antonio Morassi, Guardi, L‘opera completa di Antonio e Francesco Guardi, Bd. II, Venedig 1973, Abb. 811 – 814. (1470174) (13)



Francesco Guardi,
1712 Venice – 1793 ibid., attributed

VENETIAN COAST WITH FISHERMAN’S TENT

Oil on canvas. Old relining.
48.5 x 59.5 cm.
Numbers and stamps on the reverse.

Accompanied by an extensive expert’s report by Dr phil Hildegard Utz, Stuttgart, 15 January 1981, in copy.

In the twelve-page expert report, Utz explains in detail the order in which the known versions of the composition should be classified and how the Orientalism of the time affected Guardi. Utz emphasizes the similarities of the group of works within the oeuvre of Francesco Guardi: all known versions show a fortified city on an island with city walls, towers and a dome inside, a tall amphora on a plinth and a fisherman’s tent on the shore closest to the viewer. A painting from the collection of the Duke of Montellano in Madrid (Morassi I, p. 479, cat. no. 917; 92 x 135 cm) is considered the earliest version. The subsequent painting comes from the A. Scotti-Casanova collection in Milan (Morassi I, p. 480, cat. no. 919; 99 x 116 cm). According to Utz, the third version, offered here and previously unpublished (48.5 x 59.5 cm), dates to ca. 1770. Utz mentions two later versions that must have been created after 1780, as they are generally looser and more airy than the first three versions mentioned here.

Literature:
cf. Dario Succi, Guardi. Itinerario Artistico. Catalogo dei dipinti e disegni inediti, Milan 2021, vol. I, p. 288, ill. 22, here the late version from the Museo Cagnola.
cf. Alberto Craievich and Filippo Pedrocco (eds.), Francesco Guardi 1712 – 1793, exhibition catalogue (Museo Correr, Venice, 29 September 2012 – 6 January 2013), Milan 2012.
cf. Cornelia Friedrichs, Francesco Guardi. Venezianische Feste und Zeremonien, Munich 2006.
cf. Luigina Rossi Bortolatto, L’opera completa di Francesco Guardi, Milan 1974.
cf. Antonio Morassi, Guardi. L’Opera Completa di Antonio E Francesco Guardi, Venice 1973, vol. II, ill. 811 – 814.

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