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Lot 859

PRÄCHTIGER BLUMENKRANZ MIT DER HEILIGEN FAMILIE MIT JOHANNES UND ELISABETH, SOWIE INSEKTEN, FRÜCHTEN UND GARNELEN

  • 104,0 x72,5cm
Schätzpreis:

€ 5.500 - 6.500

Auktion: 4 Tage

Stand 17.03.2026



Vor abgedunkeltem Fond ein hochovaler üppiger Blumenkranz mit Kaiserkrone, Schneeball, Tulpen, Lilien, Rosen, Kornblumen, Studentenblumen, Vergissmeinnicht und weiteren Blüten, in stark raumgreifender Weise angeordnet. Das prächtige Leben des Kranzes wird durch sich in Bewegung befindliche Insekten belebt – wie einer Libelle oben links, eine auf dem Schneeball sitzende Schlupfwespe sowie ein Schmetterling, der im Begriff ist, den Blumenkranz fliegend zu verlassen. Der Schmetterling steht für Auferstehung und Erlösung, während die anfliegende Libelle oben links als Hinweis auf den nahenden Tod Christi gelesen werden kann.

Innerhalb des Blütenkranzes ein außergewöhnliches Motiv, das aus keinem vergleichbaren Bild des 17. Jahrhunderts bekannt ist: ein hochovaler zweiter Ring mit Früchten und Garnelen. Auf einem mittelgrauen Fond sind Trauben, Pflaumen, Birnen, Pfirsiche, Zitrusfrüchte, Himbeeren, Erdbeeren, Rettiche und Garnelen drapiert, ebenso eine rechts platzierte Schnecke mit ihrem Schneckenhaus an einem Johannisbeerzweig. Das starkfarbige Ensemble wirkt auf den ersten Blick besonders frisch, doch beim genauen Hinsehen der Vanitas-Gedanke auch hier offenbar: mehrere Früchte zeigen bereits Spuren von Fäulnis – ein Hinweis auf die Vergänglichkeit des Irdischen.

Im Zentrum befindet sich die figürliche Darstellung der sitzenden Muttergottes, auf ihrem Schoß das liegende Jesuskind. Rechts neben ihr, hinter einem Fruchtteller, Josef; links Elisabeth, ihre Hand auf die Schulter des Johannes legend. Dieser trägt den Kreuzstab und ein Schriftband mit der Aufschrift „Ecce Agnus Dei“, zu seinen Füßen das bildnishafte Lamm, das unter dem Jesuskind platziert ist. Zwischen Johannes und Jesus erscheint die Taube als Symbol des Heiligen Geistes.

Blumengirlanden mit christlichen Motiven waren in der flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts beliebt. Als Autor dieses prachtvollen Motivs wird Andries Daniels angenommen – einer der frühesten Nachfolger des Jan Brueghel d. Ä. (1568 – 1625), der diese Bildform einführte. Ein vergleichbares Gemälde mit einer Heiligen Familie in einer Blumengirlande wird unter Inv.Nr. GK 56 in der Gemäldegalerie Alte Meister in Kassel aufbewahrt.

Provenienz:
Aus französischer Kunstsammlung.

Anmerkung:
Auf der Rückseite der vorliegenden Tafel befinden sich vier Brandstempel. Ab 1617 mussten die Antwerpener Tafelmacher ihre fertiggestellten Tafeln dem Dekan oder dem sogenannten „Keurmeester“ zur Begutachtung vorlegen. Zu diesem Zweck waren die Tafeln bereits zuvor von Meister mit seinem Monogramm oder Hauszeichen zu versehen. Während fehlerhafte Tafeln zerbrochen wurden, erhielten genehmigte Tafeln drei weitere Brandzeichen: zwei Hände und ein Schloss. Ein Gemälde aus Daniels Hand mit Maria mit dem Kind und Engeln wird im Stadhuis in Geraardsbergen aufbewahrt.

Literatur:
Vgl. Bernhard Schnackenburg, Gesamtkatalog Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Museen Kassel, Bd. 2, Mainz 1996, S. 101 & 120, dort das Kasseler Bild.
Vgl. Justus Lange und Julia Carrasco (Hrsg.), Kunst und Illusion. Das Spiel mit dem Betrachter, Petersberg 2016, S. 136, Kat.Nr. 45, dort das Kasseler Bild. (14511111) (13)

Hampel Fine Art Auctions

Ort: Munich
  • Auktion : 26.03.2026 14:30 Uhr
  • Auktionsnummer: 147
  • Auktionsname: Spring Auction
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