Auktion: 5 Tage
Stand 11.06.2026
Vor abgedunkeltem Fond ein hochovaler üppiger Blumenkranz, der durch Insekten belebt wird – unter anderem durch eine Libelle, eine Schlupfwespe und einen Schmetterling. Der Schmetterling steht für Auferstehung und Erlösung, während die anfliegende Libelle oben links als Hinweis auf den nahenden Tod Christi gelesen werden kann. Innerhalb des Blütenkranzes ein außergewöhnliches Motiv, das aus keinem vergleichbaren Bild des 17. Jahrhunderts bekannt ist: ein hochovaler zweiter Ring mit Früchten und Garnelen. Das Ensemble wirkt auf den ersten Blick besonders frisch, doch bei genauerem Hinsehen offenbart sich der Vanitas-Gedanke: mehrere Früchte zeigen bereits Spuren von Fäulnis als Hinweis auf die Vergänglichkeit.
Im Zentrum die figürliche Darstellung der sitzenden Muttergottes mit dem Jesuskind auf ihrem Schoß. Rechts neben ihr Josef hinter einem Fruchtteller. Links Elisabeth und Johannes, welcher den Kreuzstab und ein Schriftband mit der Aufschrift „Ecce Agnus Dei“ trägt, zu seinen Füßen das bildnishafte Lamm. Zwischen Johannes und Jesus erscheint die Taube als Symbol des Heiligen Geistes.
Blumengirlanden mit christlichen Motiven waren in der flämischen Malerei des 17. Jahrhunderts beliebt. Als Autor dieses prachtvollen Motivs wird Andries Daniels angenommen – einer der frühesten Nachfolger des Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625), der diese Bildform einführte. Ein vergleichbares Gemälde mit einer Heiligen Familie in einer Blumengirlande wird unter Inv.Nr. GK 56 in der Gemäldegalerie Alte Meister in Kassel aufbewahrt.
Provenienz:
Aus französischer Kunstsammlung.
Literatur:
Vgl. Bernhard Schnackenburg, Gesamtkatalog Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Museen Kassel, Bd. 2, Mainz 1996, S. 101 & 120, dort das Kasseler Bild.
Vgl. Justus Lange und Julia Carrasco (Hrsg.), Kunst und Illusion. Das Spiel mit dem Betrachter, Petersberg 2016, S. 136, Kat.Nr. 45, dort das Kasseler Bild. (14511111) (13)