Auktion: 5 Tage
Stand 11.06.2026
Beigegeben eine Expertise von Donatella Biagi Maino, Bologna, 16. Juni 2025, in Kopie.
Es sind nicht wenige Kopfbildnisse von seiner Hand überliefert, Kinderportraits ebenso wie von bärtigen Alten, was annehmen lässt, dass es sich jeweils um „Tronjes“ handelt: oft mit flottem Pinsel geschaffene Kopfstudien, wie wir sie von Italienern wie Tiepolo ebenso kennen, wie von flämischen Meistern. Es wird angenommen, dass solche Bilder als Nebeneinkommen geschaffen wurden, um Sammler europaweit mit Werken namhafter Maler zu bedienen. Der mutig lockere Farbauftrag, das den Alten von links oben beleuchtet, betont die Lebendigkeit der Darstellung, wie sie ähnlich in seinem größer ausgeführten Werk „Adorazione dei magi“ zu sehen ist, in dem noch eine weitere bärtige Figur einkomponiert ist. Interessierte Nachdenklichkeit ist dem Alten anzusehen, trotz der skizzenhaften Auffassung.
Gandolfi lernte in Bologna bei Felice Torelli (1667–1748) und wurde bereits siebzehnjährig in die Accademia Clementina aufgenommen. Sein Werk steht am Ende der großen emilianischen Tradition, dem Übergang zum Neoklassizismus und erinnert an den Stil von Ludovico Caracci (1555–1619).
Literatur:
Vgl. Donatella Biagi Maino, Gaetano e Ubaldo Gandolfi. Opere scelte, Turin 2002.
Vgl. Alessandro Bettagno (Hrsg.), I Gandolfi. Ubaldo, Gaetano, Mauro. Disegni e Dipinti, Vicenza 1987.
Vgl. Mimi Cazort, Bella Pittura. The Art of the Gandolfi, Ausstellungskatalog (National Gallery of Canada, Ottawa, 18. Juni – 06. September 1993), Ottawa 1993.
A.R. (1482133) (11)