Auktion: 6 Tage
Stand 10.09.2026
Das großformatige, Gemälde, dessen bekannte Erstfassung von Jan Brueghel d. Ä. (1568–1625) von 1595 sich in Berlin befindet (117 x 163 cm), wird seit jeher als eines der interessantesten Werke der Brueghelfamilie erachtet. Wie schon der Vater, hat auch Pieter II der Nachwelt höchst originelle wie rätselhafte Bilderfindungen hinterlassen. Eine Kopie des Sohnes, aus der Sammlung des Rockoxhauses befindet sich im Königlichen Museum der Schönen Künste Antwerpen.
Die auf den ersten Blick schon skurrilen Szenen haben sich nach eingehender Untersuchung als Bildwiedergaben versteckter Redewendungen erwiesen. Über 100 Sprichwörter lassen sich in zwei Gruppen unterteilen. Einmal die Gruppe, die die Absurdität der menschlichen Handlungen illustriert und die Welt auf den Kopf stellt, symbolisiert durch den Globus, dessen Kreuz nach unten gedreht ist. Die zur Sünde verführenden Verhaltensweisen sind in der zweiten Szenengruppe dargestellt, symbolisiert etwa durch die Frau, die Ihrem Mann den blauen Mantel umhängt, Symbol ihrer Untreue. Ein Mann versucht, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Im Zentrum sieht man einen Baldachin, darin der Teufel, der die Beichte abnimmt – Sinnbild für den Verrat von Geheimnissen an den Feind. Die Narrheit der Welt, der törichte Mensch in allen seinen möglichen vergeblichen Tätigkeiten, Eitelkeit und Heuchelei haben sich hier im Bild zusammengefunden. Das Gemälde weist eine Malqualität auf, die der Kopie des jüngeren Brueghel nach dem Werk seines Vaters kaum nachsteht.
Provenienz:
Sotheby‘s New York, Oktober 1981, Lot 91 aus Privatsammlung.
Literatur:
Vgl. Klaus Ertz, Pieter Brueghel der Jüngere (1564–1637/38). Die Gemälde mit kritischem Oeuvrekatalog, Lingen 2000.
Vgl. Jürgen Müller, Das Paradox als Bildform. Studien zur Ikonologie Pieter Bruegels d. Ä., München 1999, S. 155–171. A.R. (1481733) (11)
Pieter Brueghel the Younger,
ca. 1564 Brussels – 1637/38 Antwerp, follower of
THE NETHERLANDISH PROVERBS
Oil on canvas.
113.5 x 162 cm.
Ca. 1610.
The large-format painting is based on the celebrated composition by Pieter Bruegel the Elder of 1559, now held at the Gemäldegalerie in Berlin (117 x 163 cm), and has long been regarded as one of the most fascinating compositions associated with the Brueghel family.
At first glance, the numerous scenes appear merely curious or even bizarre; closer examination, however, reveals them to be pictorial representations of proverbial expressions. More than 100 proverbs can be identified and broadly divided into two groups: those illustrating the absurdity and folly of human behaviour, and those depicting modes of conduct that lead mankind into sin.The present painting displays a quality of execution that is scarcely inferior to Pieter Brueghel the Younger’s own versions after his father’s celebrated composition.
Provenance:
Sotheby’s New York, October 1981, lot 91 from a private collection.
Literature:
cf. Klaus Ertz, Pieter Brueghel der Jüngere (1564 – 1637/38). Die Gemälde mit kritischem Oeuvrekatalog, Lingen 2000.
cf. Jürgen Müller, Das Paradox als Bildform. Studien zur Ikonologie Pieter Bruegels d. Ä., Munich 1999, pp. 155–171.