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Lot 264

ALL‘ABBEVERATORIO – AN DER TRÄNKE

  • Öl auf Leinwand.
Schätzpreis:

€ 70.000 - 90.000

Auktion: 6 Tage

Stand 10.09.2026

Verso auf dem Keilrahmen zwei Aufkleber des Metropolitan Museum Manila, Roxas Boulevard, Philippinen, mit Betitelung und Maßangaben.
Ferner auf der Doublierung, von der Originalleinwand übertragen, ein rechteckiger, mit blauem Zierrand gedruckter Inventarzettel mit handschriftlicher Aufschrift „Guardi fontana/No M 2500“.

Das großformatige Gemälde ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, dass sich die für die venezianische Vedutenmalerei so bekannt gewordenen Künstler – wie die beiden Guardis – auch anderen erstaunlichen Bildthemen widmeten. Dargestellt ist eine Figurengruppe vor felsigem Hintergrund in südlicher Landschaft. Ein Reiter auf einem Schimmel dominiert in der Bildmitte; rechts begleitet von einem weiteren braunen gesattelten Pferd an einer steinernen Tränke. Der Reiter scheint soeben abzusteigen und blickt auf eine junge Magd, die einen Wäschekorb über dem Kopf trägt, während er zugleich auf den Brunnen weist, als wolle er andeuten, dass nun die Pferde an der Tränke stehen. Im Vordergrund sitzt ein Schäfer mit einer Schalmei; vor dem Reiter ein liegendes Rind sowie ein weißes Hündchen neben einem Holzzuber. Links im Hintergrund öffnet sich ein tiefer liegendes Gewässer mit Ausblick in hügelige Ferne in blauer Luftperspektive. Stilistisch auffallend – und für die Guardi-Malweise typisch – ist die lockere, beinahe expressive Wiedergabe der Einzelheiten, insbesondere in den Kostümen, ebenso wie die trocken und flechtig herabhängenden Wurzeln über dem gemauerten Brunnen. Hervorzuheben ist zudem die raffinierte Darstellung des sich über die Schulter zum Bildbetrachter zurückwendenden Flötenspielers, dem offenbar selbst das weiße Hündchen lauscht. Einen flotten Pinselauftrag zeigen auch die herbstlich rot gefärbten Blätter des Strauches oberhalb des Steinbrunnens. Ohne auf weitere Details einzugehen, bezeugt die Darstellung insgesamt den hohen Rang der Bildschöpfung und der Malweise.

In der bisherigen Literatur wurde das Gemälde sowohl als ein Werk des Francesco als auch als Gemeinschaftsarbeit von Francesco und Giovanni Antonio eingestuft. Erstmals publiziert wurde es 1973 von Antonio Morassi, damals in einer Mailänder Sammlung (Luigi Calli, Carate Brianza), mit einer zeitlichen Einordnung in die Jahre 1730–35. Dario Succi wies das Gemälde 1988 in seiner Publikation ausschließlich Francesco Guardi zu; in der Folgezeit wurde es erneut als Zusammenarbeit der beiden Brüder publiziert.

Das Werk entstammt der Sammlung Imelda Marcos (geb. 1929), Witwe des zehnten Präsidenten der Philippinen, Ferdinand Marcos. Dort war es unter der Nummer 66 registriert, im Sammlungsverzeichnis aufgeführt und 2014 in der Philippine Daily Inquirer veröffentlicht, auch dort als Zusammenarbeit der beiden Maler bezeichnet. Bereits 1991 wurden weitere Werke aus der Sammlung Marcos bei Christie‘s versteigert. Die rückseitigen Aufkleber belegen zudem, dass das Gemälde im Metropolitan Museum Manila ausgestellt war, vermutlich als Leihgabe der Präsidentenwitwe.

Das Gemälde ist vergleichbar mit einem auf Leinwand übertragenen Gemälde auf Holz aus einer Mailänder Sammlung, von Morassi als „Il grande abbeveratorio“ bezeichnet (93 x 133 cm), sowie mit einer weiteren letzten Version (80,6 x 114,9 cm), die am 14. Oktober 2021 bei Christie‘s New York versteigert wurde, dort katalogisiert als „an example of the production of the Guardi brothers early studio practice“.

Provenienz:
Sammlung Imelda Marcos.
Metropolitan Museum von Manila.

Literatur:
Mehrfach besprochen und abgebildet in:
Antonio Morassi, Guardi, Venedig 1973, Bd. I, S. 103 und S. 133, Nr. 139; Bd. II, Abb. 157, 158. Ebd. S. 334, Nr. 140.
Dario Succi, Capricci veneziani del Settecento, Turin 1988, S. 319, Abb. 17.
Philippine Daily Inquirer, Online-Artikel vom 12. Oktober 2014: https://newsinfo.inquirer.net/644229/imeldific-collection-of-artworks-partial-list, abgerufen am 14. August 2022.
Filippo Pedrocco und Federico Montecuccoli degli Erri, Antonio Guardi, Mailand 1992, S. 125, Nr. 24, S. 167, Abb. 24.
Dario Succi, Francesco Guardi. Itinerario dell‘avventura artistica, Mailand 1993, S. 222, Abb. 248. A.R. (1320017) (11)



Giovanni Antonio Guardi (1699–1760)
and Francesco Guardi (1712–1793)

ALL’ABBEVERATORIO – AT THE DRINKING TROUGH

Oil on canvas.
84.5 x 115 cm.
Verso on the stretcher two labels from the Metropolitan Museum Manila, Roxas Boulevard, Philippines, with title and dimensions.
Furthermore, on the relining, transferred from the original canvas: rectangular inventory label printed with a blue decorative border and with the handwritten inscription “Guardi fontana/No M 2500”.

The present depiction displays a high-ranking composition and painting style. In previous literature, the painting was classed as a work by Francesco and as a collaboration between the two painters Francesco and Giovanni-Antonio. First published in 1973 by Antonio Morassi, as part of a Milan collection (Luigi Calli a Carate Brianza), dating it to the creative period of 1730–35; later, in 1988, Dario Succi attributed the painting solely to Francesco Guardi in his publication. Subsequently, the painting was published as a collaboration between the two Guardi.

The work presented in this lot was part of the collection of Imelda Marcos (b. 1929), widow of the 10th President of the Philippines, Ferdinand Marcos. It was listed under number 66 in the collection register and published in the Philippine Daily Inquirer magazine in 2014. There, it is also mentioned as a collaboration between the two painters. In 1991, further works from the Marcos collection were sold at auction at Christie’s. The label on the back suggests that the painting was exhibited in the Metropolitan Museum of Manila (Philippines), probably on loan from the President’s widow.

The painting is comparable to a canvas painting laid on panel from a Milan collection, with the title Il grande abbeveratorio by A. Morassi (93 x 133 cm), of which another, final version (80.6 x 114.9 cm) was auctioned at Christie’s, New York on 14 October 2021, with the catalogue note “an example of the production of the Guardi brother’s early studio practice”.

Provenance:
Imelda Marcos collection.
Metropolitan Museum of Manila.

Literature:
Discussed several times and illustrated in:
Antonio Morassi, Guardi, Venice 1973, vol. I, p. 103 and p. 133, no. 139; vol. II, ill. 157, 158, and p. 334, no. 140.
Dario Succi, Capricci veneziani del Settecento, Torino 1988, p. 319, ill. 17.
Philippine Daily Inquirer, 2014: (https://newsinfo. inquirer.net/644229/imeldific-collection-of-artworks-partial-list).
Filippo Pedrocco and Federico Montecuccoli degli Erri, Antonio Guardi, Milan 1992, p. 125, no. 24, p. 167 ill. 24.
Dario Succi, Francesco Guardi. Itinerario dell’avventura artistica, Milan 1993, p. 222, ill. 248.

Hampel Fine Art Auctions

Ort: Munich
  • Auktion : 24.09.2026 11:30 Uhr
  • Auktionsnummer: 149
  • Auktionsname: Gemälde Alte Meister – Teil 1

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