Auktion: 6 Tage
Stand 10.09.2026
Rechts unten signiert und datiert „1928“.
In vergoldetem Louis XV-Stilrahmen.
Dieses Werk offenbart Henri Rousseaus tiefe Verbundenheit mit der Camargue, deren weite Landschaften und reiche Pferdetraditionen in seinen späten Schaffensjahren zu einer zentralen Inspirationsquelle wurden. Seit seinem Umzug nach Provence im Jahr 1919 pendelte der Künstler zwischen Aix-en-Provence, Marseille und der Camargue, unterbrochen von häufigen Reisen nach Marokko und Algerien. Diese mediterran gepaarte Identität – zwischen der Provence und Nordafrika – durchzieht wie ein roter Faden sein Spätwerk.
Hier hält Rousseau eine der ikonischsten Szenen des Camargue-Lebens fest: Gardians bei der Zähmung eines Stiers mitten in den Sumpflandschaften. Die Komposition fängt die volle Dramatik des Geschehens ein. Um das Tier herum galoppieren weiße Pferde, während die langen Tridenten kraftvolle Diagonalen in die Szene ziehen und ihr eine dynamische Spannung verleihen. Doch das Gemälde ist mehr als ein bloßes Genre-Motiv – es feiert die innige Verbindung zwischen Mensch, Pferd und ungebändigter Natur, in der die Bewegung selbst zur Hauptfigur wird. Mit kräftigen pastosen Pinselstrichen verleiht Rousseau der Verfolgungsjagd eine unmittelbare Lebendigkeit. Die kontrastreichen Gegenüberstellungen der schneeweißen Pferde, der dunklen Masse des Stiers und der leuchtenden Farbtöne des provenzalischen Himmels verleihen dem Bild eine außergewöhnliche malerische Wucht.
Obwohl Rousseau in der akademischen Tradition Jean-Léon Gérômes (1824–1904) ausgebildet wurde, löste er sich zunehmend von präziser Zeichnung zugunsten eines freieren expressiveren Stils, in dem Farbe und Textur vor allem den flüchtigen Moment einfangen. Rousseau, der stets direkt vor der Natur arbeitete, durchstreifte die Camargue regelmäßig und schuf zahlreiche Skizzen und Aquarelle en plein air. Dieses Gemälde steht in engem Bezug zu einer Gouache desselben Sujets und dokumentiert so seinen schöpferischen Prozess, große Ölkompositionen aus vor Ort entstandenen Studien zu entwickeln. Diese Arbeitsweise verleiht seinen Camargue-Darstellungen eine Authentizität und Unmittelbarkeit, die zu den Höhepunkten seiner provenzalischen Schaffensphase zählen.
Literatur:
Paul Ruffié, Henri Rousseau. Le dernier orientaliste (1875–1933), Toulouse 2015, Abb. S. 211.
Ausstellungen:
Exposition d‘ouvres d‘Henri Rousseau, Galerie des Artistes français, Brüssel, 18.–31. Dezember 1928, Kat.Nr. 4. (1491024) (13)
Henri Émilien Rousseau,
1875 Le Caire, Provence – 1933 Aix-en-Provence
GUARDIANS IN THE CAMARGUE, 1928
Oil on canvas.
60 x 81 cm.
Signed and dated “1928” lower right.
This work reveals Henri Rousseau’s deep connection with the Camargue, whose expansive landscapes and rich equestrian traditions became a central source of inspiration during the later years of his career.
Literature:
Paul Ruffié, Henri Rousseau. Le dernier orientaliste (1875 – 1933), Toulouse 2015, ill. p. 211.
Exhibitions:
Exposition d’oeuvres d’Henri Rousseau, Galerie des Artistes français, Brussels, 18 – 31 December 1928, cat. no. 4.