Auktion: 12 Tage
Stand 11.06.2026
Das Gemälde zählt mit zu den seltensten Ansichten Venedigs. Gegenüber den häufigeren Veduten mit venezianischen Bauten am Canal Grande findet sich der Blick in den Innenhof des Dogenpalastes kaum. Und dies, obwohl es sich hier um einen der historisch bedeutendsten Topoi der Serenissima handelt. Hier fand die Investiturzeremonie des Dogen statt, wobei der neue Herrscher die „Zoia” – die hornförmige Kopfbedeckung – erhielt. Die rechts hinten sichtbare Scala dei Giganti, von Antonio Rizzo erbaut, spielte dabei eine besondere Rolle: der Doge musste von allen Seiten des Platzes gesehen werden können. Eine solche Krönungszeremonie hat Francesco Guardi (1712–1793) in einem Gemälde dokumentiert. Die Treppe wird markant bekrönt von den beiden Kolossalstatuen von Sansovino (1486–1570), Mars und Neptun, als Verkörperung der Macht Venedigs zu Wasser und zu Lande.
Canal hat hier die Seitenwände des Platzes verschattet wiedergegeben, umso markanter die Wirkung der sonnenbeschienenen Ostseite mit der skulptural reich dekorierten Renaissancefassade, hinterfangen von der Kuppel des Domes. In flanierenden Gruppen wird die Figurenstaffage wiedergegeben. Bernardo Canal war der Vater des Antonio Canal, der mit dem Beinamen „Canaletto” berühmt geworden ist. Das Gemälde zeigt demgemäß auch die Malweise des dreißig Jahre älteren Malers, die sich von dessen Zeitgenossen Luca Carlevarijs (1663–1730) beeinflusst zeigt. Die Farben erscheinen markanter, teilweise dunkler und kontrastierender. Wie viele andere, so wirkte auch Bernardo als Bühnenmaler und -Dekorateur, wie etwa im Teatro San Angelo und im Teatro San Cassiano für Aufführungen so berühmter Musiker wie Vivaldi oder Orlandini. Später arbeitete er zusammen mit seinem Sohn Antonio Canal, was eine Händescheidung zuweilen erschwert.
Bernardo Canal gehört zum älteren und früheren Kreis der venezianischen Vedutisten, wie Lucca Carlevaris (1663/65–1729/31), Johann Richter (1665–1745) oder Bernardo Bellotto (1721–1780), während sein Sohn Giovanni Antonio Canal (1697–1768) als der bekannte Canaletto aus diesem Kreis hervorging. In den Aufzeichnungen der venezianischen Malergilde wird er in den Jahren 1737–1743 erwähnt, taucht erstmals 1717 auf, als er zusammen mit seinem Bruder Cristoforo und seinem Sohn Antonio Bühnendekorationen für das Teatro Sant'Angelo in Venedig schuf. 1719/20 ist er in Rom nachweisbar, dort ebenfalls zusammen mit seinem Sohn mit Dekorationen für das Opernhaus beschäftigt, wobei wir erfahren, dass er Kulissen für die Opern von Alessandro Scarlatti (1660–1725) schuf, die 1720 aufgeführt wurden. Sein Malstil unterscheidet sich von dem seines Sohnes Canaletto im Wesentlichen durch eine stärkere Kontrastierung und Betonung dunklerer Konturen.
Literatur:
Vgl. Rodolfo Pallucchini, La Pittura nel Veneto. II Settecento, Mailand 1996.
Vgl. Filippo Pedrocco, Visions of Venice. Paintings of the 18th Century, London 2002. A.R. (1481925) (11)
Bernardo Canal,
1674 Venice – 1744 ibid., attributed
VENICE – VIEW INTO THE COURTYARD OF THE DOGE'S PALACE WITH THE SCALA DEI GIGANTI
Oil on canvas.
70.2 x 107.5 cm.
Literature:
cf. Rodolfo Pallucchini, La Pittura nel Veneto. II Settecento, Milan 1996.
cf. Filippo Pedrocco, Visions of Venice. Paintings of the 18th Century, London 2002.