Auktion: 14 Tage
Stand 12.03.2026
Beigegeben drei Expertisen, einmal von Dr. Marco Lafuenti, der in dem vorliegenden Gemälde eine Arbeit von Rubens Werkstatt erkennt; einmal von Nicola Spinosa, Neapel, 14. Dezember 2013, der ebenfalls eine Arbeit der Werkstatt erkennt; sowie einmal von Claudio Strinati, Rom, 10. Oktober 2013, der das Werk Rubens zuschreibt, jeweils in Kopie.
In einer Komposition in Form eines Rhombus stellt der Maler eine Figurengruppe in besonderer Weise hervor, die vom Lichteinfall begünstigt wird: Es sind die Virtus mit ihrem Helm mit Federbusch und die schräg vor ihr auf der Weltenkugel mit einem Ruder und wehendem Velum sitzende Fortuna. Beide allegorische Figuren reichen sich die Hand. Ihnen wird ein Lorbeerkranz und ein Zepter überreicht von einem Genius mit von Früchten gefülltem, metallisch schimmerndem Füllhorn, der wiederum von zwei geflügelten Puttowesen überfangen wird. Sein Knie, sowie das der Virtus, ruht auf dem Rücken des die Rhombusform komplettierenden, in gewagter und doch gekonnt ausgeführter Verkürzung wiedergegebenen Bacchus, den wir gut aus anderen Gemälden von Rubens und seiner Werkstatt kennen – sein trunkener Körper liegt bäuchlings auf dem Boden, die Ursache seiner Trunkenheit und der damit verbundenen unkontrollierten Wollust, nämlich ein metallisches antikisierendes Trinkgefäß, liegt ebenfalls auf dem Boden am unteren Bildrand, von seinen Fingern noch umkrallt. Besonders die Figurengruppe von Virtus und Fortuna ist uns wohl bekannt aus einem Gemälde, das im Museo Nacional de Bellas Artes in Buenos Aires, Argentinien (Inv.Nr. 8629) verwahrt wird und die beiden Figuren seitenverkehrt wiedergibt). Seitenrichtig wiederum ist eine Werkstattarbeit im Musée Grobet Labadié in Marseille zu nennen, das jedoch einen geflügelten Mann und eine Frau zusätzlich zeigt, die nach der behelmten Figur zu greifen sucht – Michael Jaffé bezeichnete das Gemälde als „Allegorie der guten Regierung“, Erwin Panofsky erkannte die beiden weiblichen Hauptfiguren als Fortuna und Virtus. Eine ähnliche Ikonografie kennen wir etwa aus einer Allegorie mit Blick auf die Zitadelle in Antwerpen aus dem Jahre 1634 im Musée des Beaux-Arts in Besançon. Komplizierte verkürzte Figuren sind im Werk des Rubens und seiner Werkstatt keine Seltenheit und werden gern für ein dramatisches Schicksal erleidende Figuren wie etwa „Der gefesselte Prometheus“ („Prometheus Bound“) im Philadelphia Museum of Art (Inv.Nr. W1950-3–1) verwendet, wodurch die an den Betrachterraum angrenzende Figur – wie hier der Bacchus – eine optimale Einleitung in das Seh- und Empfindungserlebnis durch den Betrachter bietet. Das hier angebotene Gemälde ist von hoher Qualität und zeigt mit seiner fleischigen Körperlichkeit, der geschlossenen geschickten Komposition und dem Rubensschen Kolorit eine große Nähe zu dem wohl größten nordalpinen Barockmaler und seiner Werkstatt.
Anmerkung:
Die rechte Rückenfigur ist eine etwas im Uhrzeigersinn gedrehte Variante der rechten Rückenfigur in „Die Auffindung des kleinen Erichthonios“ (1616) von Peter Paul Rubens, die in den Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein, Vaduz/Wien aufbewahrt wird und mit 218 x 317 cm noch größer ist, als das hier angebotene qualitätvolle Gemälde. Bezüglich der weiblichen Figur mit Helm vergleiche auch das Gemälde „Tod und Sieg des römischen Konsuls Decius Mus“ (1616/17). Rubens verwendete solche häufig in seinen Gemälden und variierte vergoldete Akzente, Federaufsätze und Aufsatzfiguren. Meist sind es Adler, im hier vorliegenden Gemälde eine Schlange. Auch hinsichtlich der entblößten Brust und des Erdballmotivs, der Schnürung der Sandalen durch rote Bänder und das rote Gewand insgesamt, lassen sich die Virtusfiguren gut vergleichen.
Literatur:
Vgl. Johann Kräftner (Hrsg.), Vorbild Rubens. Liechtenstein Museum Wien, München 2004. (1471852) (10)
Peter Paul Rubens and workshop
1577 Siegen –1640 Antwerp, attributed
VIRTUS AND FORTUNA TRIUMPH OVER THE LUST OF BACCHUS
Oil on canvas. Relined.
145 x 170 cm.
Accompanied by three expert’s reports, one by Dr Marco Lafuenti, who identifies the present paintings as a work from Rubens workshop; one from Nicola Spinosa, Naples, 14 December 2013, who also identifies it as a work form the workshop; and one from Claudio Strinati, Rome, 10 October 2013, who attributes the work to Rubens, each in copy.
The artist focuses on a group of illuminated figures in this rhombus-shaped composition. They are the goddesses Virtus with a plume helmet and Fortuna sitting on a globe diagonally in front of her with an oar and blowing cloth. The figural group of Virtus and Fortuna are particularly known from a painting held at the Museo Nacional de Bellas Artes in Buenos Aires, Argentina (inv. no. 8629) which shows the two figures inverted (see comparative ill.). Complicated, foreshortened figures are not uncommon in Rubens’ oeuvre and his workshop and are often used for figures suffering a dramatic fate such as “Prometheus Bound” in the Philadelphia Museum of Art (inv. no. W1950-3–1), whereby the figure nearest the viewer – like Bacchus in this lot – offers an ideal introduction to the viewer’s visual and sensory experience. The painting offered here is of high-quality and with its fleshy physicality, skilful closed composition, and its typical Rubens-like colouration, it shows a great proximity to the probably greatest north Alpine Baroque painter and his workshop.
Notes:
The figure on the right with its back turned is a variant of the figure in “The Discovery of little Erichthonius” (1616) by Peter Paul Rubens from the collections of the Prince of Liechtenstein, Vaduz/ Vienna and measuring 218 x 317 cm it is even bigger than the high-quality painting on offer for sale here. Regarding the female figure with helmet, compare the painting “Death and Victory of the Roman Consul Decius Mus” (1616/17). Rubens often used these in his paintings and varied gilt accents, feather attachments and applied figures. They are mostly eagles, but it is a snake in the present painting.
Literature:
cf. Johann Kräftner (ed.), Vorbild Rubens, Liechtenstein Museum Wien, Munich 2004.